Paraguay
Die Situation in Paraguay
In den staubigen Straßen von Luque oder anderen abgelegenen Dörfern von Alto Paraná wachsen zahlreiche Kinder wie die 9-jährige Ana oder der 12-jährige Diego in einem stark von Ungleichheit geprägten Paraguay auf. In dem südamerikanischen Land lebt rund ein Drittel der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. In ländlichen Regionen ist die Situation häufig noch schwieriger, geprägt von eingeschränktem Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen, begrenzten Entwicklungsmöglichkeiten und unsicheren Zukunftsperspektiven.
Ana lebt mit ihrer Großmutter in einem kleinen Holzhaus mit instabiler Stromversorgung. Wie viele Kinder in ihrer Umgebung hat sie nicht täglich ausreichend Nahrung zur Verfügung. Viele Kinder in vergleichbaren Lebenssituationen haben zudem nur eingeschränkten Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung und sind von einem Bildungssystem betroffen, das ihre Lebensrealitäten nur unzureichend berücksichtigt.
Während ein kleiner Teil der Bevölkerung einen Großteil des Landes besitzt, arbeiten Kinder wie Diego unter schwierigen Bedingungen, um ihre Familien zu unterstützen. Der 12-Jährige verkauft Süßigkeiten am Straßenrand, um zum Einkommen seiner Mutter beizutragen und die Versorgung seiner Geschwister zu sichern. Im vergangenen Jahr hat er die Schule verlassen – unter anderem aufgrund der Doppelbelastung aus schulischen Anforderungen, fehlender Unterstützung und Erschöpfung.
Das paraguayische Bildungssystem erreicht viele Kinder nur unzureichend. Etwa 63 % der Jugendlichen schließen die Sekundarstufe ab. In einigen Regionen, darunter Alto Paraná, ist die Einschulungsrate im Vorschulbereich besonders niedrig. Kinder aus indigenen Gemeinschaften sowie aus marginalisierten Stadtvierteln sind dabei überdurchschnittlich betroffen. Sie sind in vielen statistischen Erhebungen nur begrenzt sichtbar, prägen jedoch gleichzeitig den Alltag auf Straßen, Märkten und informellen Arbeitsplätzen deutlich.
Wenn zu Armut auch noch häusliche Gewalt hinzukommt, wenn körperliche Strafen an die Stelle von Dialog treten, bleibt wenig Raum für eine geschützte Kindheit. Die Folgen sind oft tiefgreifend, jedoch nicht immer sichtbar. Gleichzeitig ist der Zugang zu Unterstützung begrenzt: Psychologische Angebote sind in vielen Regionen kaum vorhanden, sodass Kinder wie Ana oder Diego häufig lernen, über ihre Belastungen zu schweigen.
Vor 2023: Eine Kindheit in Unsichtbarkeit und Armut
Die Lebenssituation von Kindern in benachteiligten Stadt- und Landregionen Paraguays war bereits vor 2023 von erheblichen Herausforderungen geprägt. Der Zugang zu Bildung war nicht nur eingeschränkt, sondern vielerorts auch qualitativ unzureichend. Überlastete, unzureichend ausgebildete oder zeitweise fehlende Lehrkräfte führten dazu, dass öffentliche Schulen häufig nur eine begrenzte pädagogische Begleitung gewährleisten konnten.
In einigen ländlichen Gemeinden verließen Kinder die Schule bereits im Alter von 10 oder 11 Jahren, um zu arbeiten. Das Konzept der „Kinderrechte“ war ihnen oft nicht bekannt. Viele wuchsen unter Bedingungen auf, in denen Bildung, Beteiligung und individuelle Förderung kaum präsent waren; in einigen Fällen fehlten sogar grundlegende administrative Dokumente.
So konnte die damals 7-jährige Valentina ihren eigenen Vornamen nicht schreiben und besaß nie ein Schulheft. Ihr Vater nahm sie mit, um am Straßenrand Holz zu verkaufen. Der Schulbesuch gehörte nicht zu ihrem Alltag und wurde von ihr als normal angesehen.
Heute erledigt sie ihre Hausaufgaben regelmäßig im Gemeindezentrum ihres Viertels gemeinsam mit anderen Kindern. Diese Entwicklung ist Teil der Veränderungen, die durch das Projekt unterstützt wurden.
